In den USA schlägt wieder einmal ein Justizfall große Wellen, wie die Netzeitung berichtet. Streitgegenstand ist ein Foto, aufgenommen mit einer Handykamera, das zwei zwölfjährige Mädchen, die nebeneinander auf einem Bett liegen und lachen sollen. Zu sehen seien die Oberkörper, beide tragen nur einen BH.
Aufgenommen wurde das Foto angeblich von einem anderen Mädchen bei einer gemeinsamen Übernachtung. Die US-Justiz belässt es aber nicht dabei, den Mädchen zu erklären, wie das Foto interpretiert werden kann, sie wollen die Kinder wegen Verbreitung von Kinderpornografie vor Gericht stellen.
Entdeckt wurde das Foto übrigens von einem Lehrer, der es auf einem eingesammelten Handy entdeckt haben soll. Hier stellt sich mir schon als erstes die Frage, was der Lehrer an dem Handy zu suchen hat. Selbst wenn Handys in der Schule nicht erlaubt sind und eingesammelt werden hat ein Lehrer in meinen Augen noch lange kein Recht zu schauen, was denn auf den Handys drauf ist, oder?
Wenn es zur Anklageerhebung kommt, droht den Mädchen im schlimmsten Fall sieben Jahre Gefängnis und die Eintragung in das “Sextäter-Register”. Ist das nicht ein wenig übertrieben für ein solches Foto? Versteht mich nicht falsch, ich möchte hier nicht Kinderpornos verharmlosen (das muss man ja in diesen Tagen besonders betonen). Aber wäre es nicht sinnvoller den Mädchen zu erklären, was Kinderpornographie ist anstatt sie gleich vor Gericht stellen zu wollen? Wäre den Kindern damit nicht mehr geholfen als durch den Medienrummel, der dadurch entsteht?
Zum einen finde ich es allerhand, dass die Kinder einem solchen Zirkus ausgesetzt werden, der sie unter Umständen für ihr Leben zeichnet. Werden demnächst auch Anbieter von Kinderbekleidung vor Gericht gestellt, wenn diese in ihren Katalogen Kinderunterwäsche anbieten und Bilder enthalten, auf denen ein “leicht bekleidetes” Kind zu sehen ist? Zum anderen finde ich es schon merkwürdig, dass Lehrer in den USA anscheinend ohne jeden Grund in die Privatsphäre ihrer Schüler eindringen und die Handys durchstöbern können.
Die Angeklagten haben – unterstützt durch die US-Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union die Staatsanwaltschaft wegen Amtsmissbrauchs verklagt. Und das nicht ohne Erfolg. Ein Bundesrichter hat das Verfahren bis Juni ausgesetzt um zu prüfen, ob in diesem Fall wirklich Anklage erhoben werden soll.
Sorry, aber für mich geht dieser Sittenwächterwahn in den USA ein Stück zu weit. Die Gerichte werden “dort drüben” wohl bald viel zu tun bekommen, denn einer Studie zufolge haben sich 20 Prozent der befragten US-Teenies nach eigenen Angaben schon einmal so abgelichtet und die Bilder oder Videos verschickt.
