Es geht wieder einmal los. Der Spiegel stürzt sich darauf, dass der Verband der deutschen Internetwirtschaft (Eco) es im vergangenen Sommer nur geschafft hat etwa die Hälfte von 144 kinderpornografischen Internetseiten mit Löschanträgen vom Netz nehmen zu lassen. Eco hat sich laut Spiegel mit den Seiten an Inhope gewandt.
Allein von den 110 amerikanischen Seiten, berichtet die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”, sei mehr als die Hälfte noch Monate später abrufbar gewesen. Auch in Russland, Holland, Japan und Tschechien hätten Löschanträge oft wochenlang gebraucht.
Damit werden wieder mal die Internetsperren ins Gespräch gebracht. Woran es liegt, dass es lange dauert nennt der Spiegel zwar in einem Nebensatz, fragt aber auch mit keinem Wort danach warum.
Viele der in 33 Ländern eingerichteten Beschwerdestellen hätten Hinweise nur an die Polizei weitergeleitet, nicht direkt an die Provider.
Dass das nicht wirklich funktioniert ist schon hinreichend bekannt. Wenn die Meldung der Seiten noch ewig auf den Schreibtischen der Behörden versauern kann der Provider ja auch kaum wissen, dass auf seinen Servern solche Inhalte liegen, oder? Inwiefern dass ein Grund ist, die Internetsperren wieder ins Gespräch zu bringen anstatt den Dienstweg der Behörden zu verkürzen erschließt sich mir nicht. Könnte mir das vielleicht jemand mal erklären?
In dem Zusammenhang wüsste ich auch gerne, warum Inhope den Weg über die Behörden geht anstatt sich direkt an den Provider zu wenden? Dieser kann doch selbst das Material vom Netz nehmen, Beweismaterial sichern und die Polizei in Kenntnis setzen. Das wäre in meinen Augen logischer und effektiver. Und rechtlich sollte das auch kein Problem darstellen sich direkt an den Provider zu wenden.
Ich finde es schon witzig, dass der Spiegel darüber berichtet, dass “nur” X von Y Seiten so aus dem Netz genommen werden können, aber es nicht für erwähnenswert halten, dass die Seiten bei den Sperren ja nur versteckt werden, aber weiterhin abrufbar bleiben. Durch das Sperren wird keine einzige Seite aus dem Netz genommen und keinem einzigen Kind geholfen. Was ist da nun effektiver und sinnvoller?
Schon als es nach der Bundestagswahl hieß man werde die Anwendung des Gesetzes aussetzen und erstmal gucken was effektiver ist war doch schon klar, dass die Sperren früher oder später trotzdem kommen werden. Bei Kinderpornographie bringen sie zwar nichts – ich gehe davon aus, das Menschen die diese Seiten finden auch die Sperren umgehen können – aber es gibt ja noch andere Themen, wo die Sperren durchaus Erfolge erzielen können. Forderungen danach gab es ja schon reichlich…

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