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Ubuntu 11.04 und Unity

unity_logo

Morgen ist es so weit: Ubuntu 11.04 soll veröffentlicht werden. Es wird ein besonderes Release, denn Ubuntu kommt erstmals nicht mit dem “normalen” GNOME-Desktop als Standard-Oberfläche. Natty setzt auf die eigene Entwicklung Unity, die zwar noch immer ein GNOME ist, aber dem Nutzer einiges an Umstellung und Umgewöhnung abverlangt.

Vor nicht ganz 2 Wochen habe ich das erste mal hier ausführlicher über Unity geschrieben und berichtet was mir nicht gefallen hat. Ich habe aber Unity weiter verwendet – zumindest am Notebook – und versucht damit zu arbeiten. Unity hat nach wie vor die gleichen Nachteile, wie ich finde. Aber auch ein paar Vorteile, die mir mittlerweile recht gut gefallen.

Allgemeine Änderungen
Ubuntu 11.04 (Codename “Natty Narwhal”) bringt den Kernel in der Version 2.6.38 mit, statt Rhythmbox ist nun Banshee der Standard-Medienplayer, anstelle von Vinagre kommt nun Remmina zum Einsatz. Als Office-Suite wird OpenOffice.org durch LibreOffice ersetzt. Außerdem wurde Mozillas Firefox auf die Version 4.0 aktualisiert.

Ubuntu Classic
Nutzer, die mit Unity überhaupt nichts anfangen können, können im Anmeldebildschirm den klassischen GNOME-Desktop verwenden. Nach dem Auswählen des Benutzers kann am unteren Rand “Ubuntu Classic” ausgewählt werden.

Software ausprobieren
Im Software Center gibt es nun eine Funktion, um Software vor dem Installieren auf einem entfernten Server auszuprobieren. Dazu muss vorher das Paket qtnx installiert werden:

sudo apt-get install qtnx

Danach gibt es im Software Center einen Button zum ausprobieren bei einigen Anwendungen.

App Menu
Wie bereits erwähnt habe ich Unity nun ein paar Tage mehr verwendet. Als erstes habe ich allerdings das App Menu (oder auch Global Menu) entfernt:

sudp apt-get remove indicator-appmenu

Danach werden die Menüs wieder direkt in den Anwendungen statt im Panel angezeigt. Das App Menu macht in meinen Augen nur bei Nebooks Sinn, wo es wirklich ein bisschen Platz spart.

Dash
Das Dash reagiert relativ langsam – egal ob auf das Drücken der Super-Taste (Windows-Taste) oder auch auf einen Mausklick. Bei mir am Notebook dauert es 2-3 Sekunden, bis sich das Dash öffnet. Im Vergleich zum sofort reagierenden Anwendungsmenü des klassichen GNOME finde ich diese Verzögerung ziemlich störend.

Launcher
Auch der Launcher hat seine Vor- und Nachteile. Man sieht seine geöffneten Programme nicht sofort wenn eines maximiert ist. Das Verhalten kann im CompizConfig Settings Manager anpassen, jedoch muss dieser erst installiert werden:

sudo apt-get install compizconfig-settings-manager

Die Einstellungen findet man unter dem Punkt Ubuntu Unity Plugin im Bereich Arbeitsfläche. Dort können auch die Größe der Icons im Launcher und die Transparenz des Panels angepasst werden.

Unity-Einstellungen

Fenster-Schatten
Der Fenster-Schatten lässt sich im CompizConfig Settings Manager nicht verändern. Das scheint auch so gewollt zu sein, denn der Schatten wird nun wohl über das Theme bestimmt. Ich finde diese Lösung ist wirklich schlecht.

Shortcuts
Für Unity gibt es zahlreiche Tastatur-Shortcuts und Maus-Tricks. Eine Übersicht darüber gibt es bei Ask Ubuntu. Dort gibt es auch ein paar Wallpaper mit den Shortcuts, mit man diese immer übersichtlich auf dem Desktop hat.

Besonders gut finde ich den Shortcut mit gehaltener Super-Taste (Windows-Taste). Die Icons im Launcher werden dann nummeriert dargestellt. Mit den Zahlen lässt sich dann das jeweilige Programm direkt starten. Auch gut gelöst sind die Möglichkeiten zum Anpassen der Fenstergröße. Zieht man ein Fenster an das obere Panel wird dieses maximiert. Zieht man ein Fenster an die Seite des Desktop wird dieses auf einer Häfte des Bildschirms maximiert. Im CompizConfig Settings Manager kann dieses Verhalten auch geändert werden.

Desktop anzeigen
Zum Anzeigen des Desktops gibt es in der Standard-Installation lediglich die Tasten-Kombination Super+D. Um ein Icon im Launcher anzuzeigen ist wieder mal ein bisschen Handarbeit notwendig:

sudo apt-get install wmctrl
cd
wget http://webupd8.googlecode.com/files/showdesktop.tar.gz
tar -xvf showdesktop.tar.gz && rm showdesktop.tar.gz
sudo mv showdesktop /usr/local/bin/

Ausführlich erklärt wird das ganze hier.

Benachrichtigungsbereich
Das Benachrichtigungsbereich gibt es in der Standard-Installation auch nicht mehr. Programme wie XChat oder Shutter, die sich dort niederlassen können damit dorthin auch nicht mehr minimiert werden. Möchte man das Benachrichtigungsbereich wieder aktivieren kann man das mit dem folgenden Befehl:

gsettings set com.canonical.Unity.Panel systray-whitelist "['all']"

Eine grafische Lösung und das Einrichten für einzelne Anwendungen kann man hier nachlesen.

Overlay Scrollbars
In Natty haben einige Anwendungen Overlay Scrollbars. Diese sind derzeit noch ein bisschen fehlerhaft wie ich finde. Die Scrollbars reagieren bei mir nicht immer auf ein Anklicken, um die Scrollbars zu verschieben. Außerdem funktionieren diese nicht in allen Programmen. Dadurch wirkt die Lösung etwas inkonsistent. Wenn gewünscht kann man diese allerdings aber auch abschalten.

Orte-Menü
Im klassichen GNOME gibt es ja das Anwendungsmenü mit Anwendungen, Orten und System. In Natty kann man dem Home-Icon im Launcher ein Orte-Menü für den Rechtsklick auf das Icon einfügen. Eine ausführliche Anleitung dafür gibt es hier.

Wie man sieht gibt es einige Einstellungsmöglichkeiten für Unity, aber diese brauchen wesentlich mehr Handarbeit und sind um einiges umständlicher als im klassichen GNOME. Ich denke hier muss bei Unity noch nachgebessert werden.

Kleine Fehler
Hier und da fallen mir immer noch kleine Fehler in Unity auf. Zum einen merkt sich der Anmeldebildschirm die Auflösung meines Notebooks nicht immer. Zum anderen reagiert der Button zur Sitzungsanzeige im Panel nicht immer auf ein Anklicken.

Was sonst noch?
Unity hat noch 2 Funktionen, die ich wirklich gut finde: Der Launcher funktioniert übergreifend auf allen Arbeitsflächen. Wenn man also in eine Anwendung wechseln möchte, die auf einem anderen Desktop geöffnet ist, kann man diese auf jeder anderen Arbeitsfläche ebenfalls anklicken. Man landet somit direkt auf dem Desktop, auf dem das Programm geöffnet ist.

Außerdem können Programme in der Übersicht über die Desktops hin und her verschoben und auf anderen Desktops abgelegt werden.

Fenster verschieben

Weitere Möglichkeiten, Unity an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, gibt es bei OMG! Ubuntu und Web Upd8 nachzulesen.

Fazit
Ob einem Unity gefällt oder nicht muss wohl jeder für sich entscheiden. Nach ein paar Wochen habe ich mich immer noch nicht vollständig an Unity gewöhnt und fühle mich dort nicht so zuhause wie unter GNOME. Selbst der Wechsel von Windows zu GNOME war für mich damals einfacher als die Gewöhnung an Unity.

Besonders schlecht sind die Möglichkeiten zum Anpassen umgesetzt. Ubuntu wirbt damit, dass gerade Anfänger gut mit Unity zurecht kommen. Gerade diese Zielgruppe wird aber besonders große Schwierigkeiten damit haben, Unity an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anzupassen. Oder ist dies nicht mehr gewollt, da man unter Windows und Mac diese Freiheiten ja sowieso nie hatte? Ich finde hier muss deutlich noch nachgebessert werden und dem Nutzer wesentlich mehr Möglichkeiten an die Hand gegeben werden. Die Einstellungsmöglichkeiten sind in der Standard-Installation gleich null. Schon allein zum Ändern der Icon-Größe im Launcher muss ein zusätzliches Programm installiert werden.

Dennoch finde ich dass Unity durchaus Potential hat. Ich hoffe, die Entwickler bieten trotzdem auch in der nächsten Version 11.10 (Codename “Oneiric Ocelot”) den klassischen GNOME-Desktop weiter an – auch wenn das momentan nicht vorgesehen ist. Die Nutzer zu Unity zu zwingen würde in meinen Augen nach hinten los gehen.

14 Kommentare

  1. Hab die Beta 2 getestet, war recht zufrieden. Aber Programme in Unity zu finden ist der Horror. Außer man weiß welches Programm man sucht.

    • Jonas, man weis doch was man für ein programm sucht wenn man nach einen programm such, Zumbeispiel wenn ich firefix suche weis ich doch das ich firefix suche, oder nich?

      • Nun sicherlich, aber was ist wenn man den Namen des Programmes nicht genau weiß ? Dann kommt man damit auf keinen grünen Zweig. Ich habe mein Notebook in der Arbeit gestern Mal auf Natty aktualisiert und war regelrecht schockiert davon. Meine Versuche Natty vorher per Live CD oder in einer virtuellen Maschine zu starten sind alle fehlgeschlagen. Ich kann mich mit Unity kein Stück weit anfreunden und werde mein privates Notebook bestimmt nicht upgraden sondern lieber bei Maverick bleiben, das ich lieb gewonnen habe.

  2. Danke!

    Das war die bisher beste zusammenfassung, die ich gelesen habe. vorallem greift sie viele kritikpunkte auf und bietet lösungsvorschläge oder alternativen. definitiv gebookmarked!

  3. Die Frage die ich mir immer Stelle: Welche Vorteile bietet mir Unity gegenüber Gnome 3?

  4. Danke für den guten konstruktiven Beitrag. Sehe zwar einige Punkte anders bzw. sind scheinbar einige Bugs auf meinem Netbook bisher nicht aufgetreten aber jeder Jeck ist anders :)

    Wenn man die Bugs meldet oder taggt (+affectsme) wird es vlt. auch verbessert oder umgesetzt.

  5. > Das Dash reagiert relativ langsam

    Das scheint wohl ein Bug zu sein. Bei mir reagiert die Dash in Sekundenbruchteilen.

    > Ich hoffe, die Entwickler bieten trotzdem auch in der nächsten Version 11.10 (Codename “Oneiric Ocelot”) den klassischen GNOME-Desktop weiter an – auch wenn das momentan nicht vorgesehen ist.

    Da hoffst du leider vergeblich. In der Version 11.10 wird auch in Ubuntu das neue GNOME3 Einzug halten. Und da eine parallele Installation von GNOME2 und GNOME3 nicht möglich ist und es unter GNOME3 nur noch die neue Shell und den Fallback-Modus gibt, stirbt der klassische GNOME-Desktop im Herbst auch in Ubuntu.

    Wenn du weiterhin GNOME2 benutzen möchtest, musst du also entweder bei Ubuntu 10.10 oder 11.04 bleiben oder zu einer anderen GNOME2-Distribution wechseln.

    > Gerade diese Zielgruppe wird aber besonders große Schwierigkeiten damit haben, Unity an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anzupassen.

    Meinst du wirklich diese Zielgruppe macht sich Gedanken darüber ob sie Unity an ihre Bedürfnisse anpassen können? Die meisten dieser Benutzer verändern gerade einmal das Hintergrundbild unter Windows, wenn überhaupt.
    Die Zielgruppe, welche sich am lautesten beschwert, sind die sogenannten Power-User und diese sollten wissen wie sie mit solchen Sachen umgehen können.

    • > Da hoffst du leider vergeblich. In der Version 11.10 wird auch in Ubuntu das neue GNOME3 Einzug halten. Und da eine parallele Installation von GNOME2 und GNOME3 nicht möglich ist und es unter GNOME3 nur noch die neue Shell und den Fallback-Modus gibt, stirbt der klassische GNOME-Desktop im Herbst auch in Ubuntu.

      Das ist falsch, denn als Fallback kommt Unity 2D/Qt.

      • Als zusätzlicher Fallback zu Unity3D. Es wird aber auch noch den Fallback-Modus der GNOME-Shell geben. Es mag sein, dass diese nicht automatisch installiert wird. Vorhandensein wird sie aber auf alle Fälle.

  6. Ich hoffe, die Entwickler bieten trotzdem auch in der nächsten Version 11.10 (Codename “Oneiric Ocelot”) den klassischen GNOME-Desktop weiter an

    Ubuntu 11.10 wird auf GNOME 3 basieren, d.h du hast als Alternative zu Unity nur die GNOME Shell. GNOME 3 hat zwar auch einen Fallback-Modus, der jedoch nur das Verhalten von GNOME 2 rudimentär nachbildet, das klassiche GNOME Panel wird es nicht mehr geben, außer noch in Distributionen mit längeren Support-Laufzeiten. Wem also weder Unity noch die GNOME Shell gefällt, für den ist XFCE eine ernste Alternative, das bisher ja eher im Schatten von GNOME stand, jetzt aber eine echte Chance bekommen dürfte.

  7. Pingback: Ubuntu 11.04 »Natty Narwhal« » dyingeyes weblog

  8. Sie schreiben in ihrem Artikel, Anfänger hätten gerade Probleme in Unity einzusteigen. Ich persönlich kenne nur Unity und keine andere Oberfläche und kann nur sagen, dass ich damit ohne Probleme zurecht komme.